„Auf C ist man immer allein“

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Altlandsberg (MOZ) Eine Doppel-Schulstunde volle Aufmerksamkeit und aktives Mitgehen von drei Klassen der Stadtschule Altlandsberg sind nicht selbstverständlich. Am Mittwoch hat das eine als Lesung angekündigte Veranstaltung mit dem Leipziger Sebastian Caspar geschafft.

Immer wieder bringt Sebastian Caspar das Buch ins Spiel. „Wenn ich nachher noch etwas daraus vorlese …“, flicht er zwischendurch ein. „Wollt ihr jetzt was daraus hören …?“, fragt er, fast etwas ungeduldig. „Das steht auch in dem Buch…“, ergänzt er.

Doch die Neuntklässler aus der Stadtschule Altlandsberg lassen sich kaum bremsen. Sie fragen dem Mann, der eine Suchtkarriere mit Crystal Meth hinter sich hat, zwei lange Jahre zum Ausstieg aus der Droge brauchte, wenngleich diese lebenslänglich abhängig macht, und so drastisch wie anschaulich davon erzählen kann, quasi Löcher in den Bauch.

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ist Sebastian Caspar nach Altlandsberg gekommen. „Weil die Schulleiterin darauf gedrungen hat“, antwortet Gabriele Gottschling vom Förderverein Bibliothek Altlandsberg auf MOZ-Nachfrage. Zunächst war der Autor und Sozialarbeiter vor den 10. Klassen der Stadtschule aufgetreten. So, wie er es seit Erscheinen seines Buchs „Zone C“ bereits an mehr als 100 Schulen präventiv getan hat, wie auf seiner Internetseite nachzulesen ist.

Über Thomas Emig von Buchhandlung und Antiquariat in Altlandsberg, der zugleich Mitglied im Förderverein Bibliothek ist, war der Kontakt zu dem gebürtigen Weißenfelser zustande gekommen. „Und dank finanzieller Unterstützung durch die Sparkassenstiftung“, ergänzt Gabriele Gottschling, „konnten bzw. können wir diese Veranstaltung, insgesamt sogar vier Lesungen in der Schule organisieren.“

Es ist immer noch etwas anderes, aus eigener mehrjähriger Erfahrung mit Drogen zu erzählen als „nur“ den Protagonisten seines Romans, den 19-jährigen Sten aus einer Kleinstadt in Ostdeutschland, sprechen zu lassen. Das bekommt Sebastian Caspar an diesem späten Vormittag ganz offensichtlich zu spüren. Und der diplomierte Sozialpädagoge antwortet gern und ehrlich, ist authentisch, überzeugt durch seine Präsenz.

Dass er aus einem eher intellektuellen Elternhaus stammt, die Sache mit Crystal Meth jeden in bestimmten Lebenssituationen treffen kann. Dass er seine Sucht vor den Eltern und im Beruf zu verheimlichen versucht hat. Dass man „auf C immer allein ist“. Wie schwer und willensabhängig es ist, clean zu werden – „nur jeder 8. schafft es“. Ein radikaler Wechsel des Umfelds gehört dazu, eine neue Lebensidee, vor allem die eigene Motivation.

Er gibt von den Neuntklässlern gestellte Fragen zurück, bezieht sie ein, bevor er eine Antwort herauslässt. Was ein Gramm C kostet, viel weniger als Kokain oder Heroin? Wie lange so ein Kick reicht, wie C genommen wird … Ausgangsstoffe, Ursprungsländer, Beschaffungskriminalität, Abstürze, krankhaftes sexuelles Verlangen, von abhängigen Müttern schon süchtig geborene Babys – nichts wird ausgespart. Am Ende liest Sebastian Caspar doch noch „Seite 24, wie meistens in den Schulen“, bevor sich viele am Ende um den Lehrertisch scharen, wo er das Buch signiert.

Quelle: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1624982/ – 14.12.2017

 

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