Pussy Holocaust

 

 

Meine Schreiberei begann auf dem Gymnasium. Da muss ich so in der zehnten Klasse gewesen sein. Anfangs schrieb ich Gedichte, beeinflusst von Rimbaud, Benn und Trakl, nur um einige zu nennen. Doch natürlich reichte keines meiner Werke an diese Klassiker heran. Später, in den zwei Jahren meines Studiums in Leipzig – in der Hochphase meines Substanzmissbrauchs –, habe ich dann eine Art Roman geschrieben. Aber irgendwie fummele ich daran noch immer herum. Das Ganze nennt sich Pussy Holocaust. Der Versuch, eine schräge Dystopie aufzubauen. Kurz zusammengefasst geht es um eine Welt, in der nach einem nuklearen Super-GAU die überlebenden Frauen eine Art neoklassizistisches Amazonenreich erschaffen. Eine Eigenart von ihnen ist, die meisten männlichen Neugeborenen sofort nach der Entbindung der großen Urmutter Ar zu opfern. Einige wenige werden zur eigenen Reproduktion aufgepäppelt. Der Geschlechtsakt wird vollzogen, sobald die Jungen ihren ersten Samenerguss haben. Das geht dann ein paar Jahre so. Am Ende ihres kurzen, im besten Fall zwanzigjährigen, Lebens wartet wiederum die Urmutter Ar auf sie. Die Barbarei dieser Rituale ist nicht von der Hand zu weisen. Doch seitdem das Weibliche die Erde regiert, tritt etwas ein – etwas, dass die Menschheit seit Jahrtausenden herbeisehnt. Es herrscht Weltfrieden. Das Matriarchat regiert und schenkt der Erde eine universelle Harmonie. Aber natürlich ist diese Ruhe nicht von langer Dauer. Bereits zwei Generationen später mutieren die Geschlechtsorgane der Amazonen, schwellen an und werden zu einem riesigen rosafarbenen Blumenkohl. Das ganze schmerzt so stark, dass die Amazonen rein physisch nicht mehr in der Lage sind, den alltäglichen Geschäften nachzugehen. Die Männer erheben sich und schlachten alle ab. Bis auf ein paar hundert Mädchen, die sie als Sexsklavinnen halten, um sie auf exzessiven Orgien tot zu ficken. Die, die das irgendwie doch überleben, gebären automatisch den Nachwuchs, bevor auch ihnen das mit dem Blumenkohl passiert. Ein menschliches Perpetuum mobile. Schräg, kaputt. Die alte Ordnung, so scheint es, ist wieder hergestellt. Ende. Aus.

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