Lyrik

ich krake, du taube

ich liebe dieses leben nicht, doch es zu hassen faellt mir schwerer, und das ist mein dilemma. maenner auf der straße, unten, vor dem haus in dem du wohnst, und sie starren durch die waende, sie sezieren deinen schlaf. selbst das dunkle schmeckt wie immer.

diese nacht ist einsam, diese nacht ist lang. klingen loesen knoten und der weg fuehrt über haut. doch es scheint sie schneiden haesslich, da die leute schweigend fliehen, wenn ich alles offenbare.

ach, du bittere ironie!

jetzt zwei wege. ich bin dankbar. befriedigung des selbst ist die geißelung der seele. meine hand sucht deinen busen, da sie weiß, er ist vollkommen. er ist das zarte unserer schoepfung, weich und warm und heimatgleich.

und ich liebkose ihn und weine, beweine leise deinen nacken. atem fließt durch diese stille. ich bin alleine in der hoelle.

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die waende der haeuser

die waende der haeuser sind noch warm durch die glut der letzten tage, und ich mag es meine wange an sie zu pressen, wenn die nacht mich schwer umfaellt und sehnsucht nach dir mich stumm und aelter werden laesst.

wallend stroemt ein wein durch meine venen und der geschmack des herbstes klebt mir auf den lippen. einsam ist mein weg zu dir und meine verzweiflung nach den kuessen, dass darauf ein blinder grüßt – laechelnd, auf vibrierendem asphalt.

es ist diese wirklichkeit, groß und gewaltig, und morgen spatzen, die vom rasen wuermer picken. erzaehlungen von laengst verlorenen und dahinter, immer wieder – kalter, gelber schein der stadt.

verflogene sommer. seen, die bald schon eis gebaeren. ein kraeuseln auf der oberflaeche.

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meere

hinein in die tiefen der unendlichkeit strebt mein blick, weiter, hoeher und immer tiefer hinauf. wie schweres durchstochenes tuch ist der himmel, je laenger ich schaue, umso mehr wird geboren.

oben, in schwarzer schoenheit, wird erinnerung an dich mir zum gefaehrten. sehnsucht erschafft lautlos monde, welche nur noch staerker an dich denkend machen.

ich ersehne schlaf, um zu finden, was ich suche. suche traeume und bilder von dir, doch nur punkte aus licht reihen sich, wie perlen, vor meinen traenen aneinander.

es sind meere, die uns trennen.

meere, in denen netze sinken und uns wasser kalt umschlingt. die nacht ist wie ein augenblick, ein wimpernschlag, eine letzte berührung von dir. du und ich. wir sterben.

wir sterben, umhuellt von kriegen, erfuellt von liebe und verlust. wir sterben, und am ende von allem, von uns und dem leben, ist es regen und eine endlose weite vor meinem gesicht.

dann wellen und schatten. jetzt dein schweiß und koerper. und alles ist noch einmal in mir, alles war es wert zu atmen.

es sind meere, die uns trennen.

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nehmend

ich erinnere mich an dein haar und an die schwarzen schwaene, die eines morgens tot ans ufer trieben. an deine leisen worte, die du mir ins ohr gedichtet.

ich hoffe auf die sanfte wahrheit, fluestere ich bang in das dunkel dieses ortes. du bist hellwach, nicht hier, und diese faerbung tut mir furcht.

ein larmoyantes lachen umschlingt den ball aus boden, der betaeubt darniederliegt, und panisch erkalten wir als rudimente dieser nacht.

augenblicke fallen und rueckwaerts stroemt die zeit. laesst erblinden mich, deine unsterbliche erinnerung.

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longing

die frauen lieben. sie lieben fleisch und saugen es, schmecken ab mit spitzen muendern, die um so mehr an masse fassen, wuchernden magnolien gleichen.

oh ihr muscheln sauren honigs! seid umspuelt vom saft des fruehlings, und perlen, in ihnen ruhend, reckt zitternd euch empor.

ich mag die wunde unter deinem nabel. der schnitt, dem niemals heilung wiederfuhr. er ist muskel, schmerz und leben. auf den wiesen streiten triebe, speien lueste eiter aus, erde reißt der knospen willen.

betaeubt enthebt die stadt mir traeume, bleibt dabei sanft und trocknet traenen. verlieren sich unsere spuren, als schweif, unendlich langsam, so sind wir sterne in den naechten.

wohin stroemt der regen, der wie dein haar die haut benetzt und als blut vom himmel faellt? ja, ich sehne mich nach dir.

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quaelend lange monde

dich durch die vereiste nacht ergreifend und arktisch fließt die luft in meine angsterfuellten lungen.

kochender sand rinnt durch deine haende, formt ein heißes, blindes glas, verbirgt worte, welche ich so nie gedacht, niemals erschuf in meinem wahn.

ich schoepfe blut aus deinen augen, zerkuesse fordernd deinen mund, und schwere schatten fallen zuckend, über das erstarrte land.

fern und tief ruht ein pazifik, voller last, die welt verschluckend, und als dein haar die wogen narrt, treibt totes holz zu uns ans ufer.

wir sind boten, schwarze flammen. suedwaerts rollen dumpfe schlaege, bersten klippen, brechen alles. atme durch mich.

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countdown

ich habe angst, dir zu begegnen, weil durchfurcht ich vor dir stehen werde, und dein atem hitzig mir ins antlitz schlagen muss.

ich werde stocken, verstoerte worte stammeln, da ein schalk verhuellt uns folgt und mit welken fingern uns die stunden abwaerts zaehlt.

tote sonnen zersetzen licht, formen einen dunklen globus. und verzweifelt rufe ich deinen namen, lausche angestrengt ins dunkel, presse meine haende vors gesicht.

diesen kampf mit dir verliere ich, denn du verglimmst. uferlos, auf der anderen seite eines flusses.

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wir sind verworfene

zeratmen, und dein nabel ist ein dunkler krater, voll verworrener ozeane. mein haupt ruht bang an deinem busen, deine blutig, nassen lippen tropfen eine faehrte durch diesen augenblick.

ein alp zersetzt, und du beweinst die welke frucht in deinem bauch. es riecht nach wesenhaften lichtern. regen schwebt verhalten durch die fruehe.

ich fliehe, versuche furcht von dir zu bergen, laechele, trotz dieser baren stille. die haeuser sind verklebt mit kreaturen und angeleimt am sternendom pendelt ein enthuelltes grausen.

voller wahn eile ich zurueck, irre durch die gassen und eine glocke klagt ihr lied. du bist unauffindbar. wir sind verworfene.

© Sebastian Caspar

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